Geht’s noch? Open Data in Bayern!

Über einen unglaublichen Vorgang berichtete am Freitag netzpolitig.org [1]. Unter „Bayern geht gegen Open-Data-Aktivist:innen vor“ [2], [3] kann man den Skandal (oder ist es nur eine Provinzposse?) nachlesen. Und wieder versucht eine Landesbehörde, „Gebühren“ für Daten zu erheben/verteidigen, die der Bürger bereits bezahlt hat, nämlich über seine Steuern, also Daten die ja schon dem Bürger gehören. Und der Preis ist nicht ohne: „Preis: Basisbetrag je Hauskoordinate: 0,15 €“ findet man bei Hauskoordinaten auf [4]. Natürlich gibt es bei flächenbezogene oder objektbezogener Abgabe Mengenstaffeln.

Immer noch fassungslos den Kopf schüttelnd [5] frage ich mich mal wieder: Wer bezahlt eigentlich diese bayrische Landesbehörde? Und wie so oft, ist genau dieser Datensatz in einigen Bundesländern frei verfügbar, in einigen nicht. Ich fühle mich schmerzlich an Parallelen mit der ALK in Sachsen-Anhalt erinnert [6]. Dort ist übrigens das Wunder ausgeblieben, jeder darf die ALK jetzt sehen, aber nicht runter laden.

Wenn einige deutsche Behörden so weiter machen, werden sie sich – jedenfalls teilweise – selbst abschaffen, da „ihre“ Daten dann von Anderen als freie Daten erfasst werden. Vermutlich hat irgendwann in nächster Zukunft ein Datenbestand wie OpenStreetMap auch alle relevanten Gebäude mit Adresse und Polygon/Koordinate, vielleicht nicht ganz so genau, aber für fast alle Aufgaben sehr gut brauchbar. Und dann, liebes LDBV, braucht Eurern Hauskoordinaten/Hausumringe-Datensatz fast keiner mehr! Bitte noch mal verinnerlichen: Ihr werdet über die Steuern vom Bürger bezahlt, Ihr seid Dienstleister für die Bürger, der Bürger ist nicht euer Gegner! Und wenn jetzt wieder das durchaus richtige Argument mit den Gesetzen kommt, bitte: Gesetze haben Menschen gemacht, Menschen können diese auch ändern.

[1] … https://netzpolitik.org/
[2] … https://netzpolitik.org/2021/offene-geodaten-bayern-geht-gegen-open-data-aktivistinnen-vor/
[3] … https://twitter.com/cknebel79/status/1395728869811003395?s=20
[4] … https://www.ldbv.bayern.de/produkte/kataster/hauskoordinaten.html
[5] … https://twitter.com/geoObserver_/status/1395955711797088256?s=20
[6] … https://geoobserver.wordpress.com/2020/04/09/die-alk-im-lsa-wunder-geschehen/

Ein Gedanke zu „Geht’s noch? Open Data in Bayern!

  1. Ich habe vor über 10 Jahren mal einen Landtagsabgeordneten der Grünen in Bayern angeschrieben wegen Preispolitik und OpenData. Da wurde dann überraschenderweise Monate später eine kleine Anfrage im Landtag draus. Mit dem Ergebnis, wenn ich mich recht erinnere, dass die Vermessungsverwaltung im Jahr 11 Millionen Euro umsetzte. Leider „vergaß“ man damals (wahrscheinlich absichtlich), die Zahl nach behördlichen und privaten Umsätzen aufzuschlüsseln. Da aber alle Behörden diese Daten auch selber kaufen müssen, ist davon auszugehen, dass die Masse einfaches Umgeschichte aus einer staatlichen Tasche in die andere ist.
    Ich brauche für meine Projekte eigentlich immer zwingend die Flurgrenzen. Da rufen die dann 1,80€ pro Flurstück auf. Da kämen bei größeren Schlägen gerne auf einmal 200 bis 500€ zusammen. Die gesamten Flurstücke für Bayern erhält man aber schon zum Schnäppchenpreis von nur 970.000€.
    Oft muss ich mich damit behelfen, die Grenzen aus grusligen Bauplan-CADs vom Auftraggeber rauszupfriemeln. Was für ein Kokolores! Und ein diskriminierender hinzu: Große Firmen zahlen das aus der Portokasse, der „kleine Mann“ schluckt bei diesen Phantasiepreisen.

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